Interview mit Oliver Glassl von X-it

10:56 Uhr » Autor Arne 

oliver_glassel.jpgDer Cover-Band-Wettbewerb Hessen rockt der Frankfurter Rundschau geht im neuen Jahr in die entscheidende Runde. Am 7. Januar beginnen die Konzerte mit einem Abend im Sinkkasten. Oliver Glassl (35) aus Nauheim ist einer, der schon im vergangenen Jahr dabei war – und mit seiner Band X-it am Ende als Sieger auf der Bühne stand.

Im Interview mit der Frankfurter Rundschau erzählt er, wie Hessen rockt im vergangenen Jahr so war - und wie man vielleicht gewinnen kann.

Frankfurter Rundschau: Deine Bandkollegen und Du haben fast ein Jahr lang die Frankfurter Rundschau als Band begleitet. Was ist Dir aus diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben?
Oliver Glassl: Wir hatten wahnsinnig viele Auftritte, haben auf viel größeren Bühnen gespielt und ganz, ganz viel neues Publikum bekommen. Besonders gern erinnere ich mich – abgesehen vom Hessen rockt-Finale im Südbahnhof – an die Zeit der Fußball-WM und unsere Auftritte mit der Rundschau in der City Arena auf der Zeil. Das waren gigantische Konzerte für uns. Während der Spiele haben wir den Soundcheck gemacht und dann, nach dem Spiel, war die Zeil voller Menschen und die Stimmung war großartig. Vor allem beim kleinen Finale. Da sind die Autos durch die Stadt gekurvt und das Publikum kam mit Deutschland-Fahnen auf die Bühne. Wir konnten eigentlich spielen, was wir wollten. Die Leute sind ausgerastet.

Was hat Euch Hessen rockt sonst noch gebracht?
Wir haben viele Kontakte zu anderen Bands, zu Musikern und Veranstaltern knüpfen können. Das war schon während der Konzerte von Hessen rockt und auch in der Zeit danach. Der Wettbewerb und auch der Sieg waren eine extrem gute Werbung für uns. Die Zugriffszahlen auf der X-it-Homepage haben sich verzehnfacht und wir werden viel öfter angefragt. Ob das auch auf lange Sicht wirklich zu einem Selbstläufer geworden ist, werden die kommenden Jahre zeigen. Aber das vergangene Jahr ist für uns musikalisch extrem gut gelaufen. Wir haben vieles gesehen und erfahren, was wir so in dieser Art wahrscheinlich nie wieder haben werden.

Zum Beispiel?
Beim Hessentag kamen wir mit dem Auto an und dann waren da doch tatsächlich Jungs, die unser Equipment ausgeladen haben. So was sind wir ja gar nicht gewohnt. Vor Hessen rockt haben wir im Irish Pub erst mal zwei Stunden Boxen geschleppt und dann fünf Minuten vor dem Konzert festgestellt, dass der eine Kanal nicht geht. Dann muss man halt die Verkabelung erneuern und ist dann erst fünf Minuten vor Konzertbeginn fertig. Beim Hessentag wurde das Schlagzeug auf eine rollende Plattform gepackt und schon mal mit Mikrofonen versehen. Für den Soundcheck wurde es einfach auf die Bühne gerollt und wir konnten noch mal duschen gehen oder uns um unsere Saiten und Stücke kümmern. Und nach dem Soundcheck hieß es dann: Da ist noch ein vegetarisches Büffet für Euch.

Ich kann mir vorstellen, dass das Musiker sehr angenehm finden und viele jetzt ein bisschen neidisch werden. Wie gewinnt man Hessen rockt und kommt in diesen Genuss?
Darauf habe ich auch keine Patentantwort. Aber ich würde mal sagen: locker bleiben. Unser Gitarrist Ebi hat uns ohne Rücksprache mit uns bei dem Wettbewerb angemeldet und unsere erste, durchaus sarkastische Reaktion darauf war: Die haben bestimmt gerade nur auf uns gewartet. Und so sind wir auch in den Wettbewerb gegangen. Nach der Vorrunde waren wir schon über den Einzug ins Halbfinale überrascht und als wir dann sogar im Finale standen, hatten wir überhaupt keine Erwartungshaltung mehr. In unserem Kosmos hatten wir schon gewonnen, weil wir ja mindestens den vierten Platz belegt hatten. Deshalb haben wir uns im Finale auch gar keinen Stress mehr gemacht. Ich denke, das hat das Publikum auch gemerkt.

Ist das wichtiger als musikalische Qualität?
Also wenn ich mir die DVD vom Finale anschaue, dann fallen mir bei unserem Auftritt massig Fehler auf, bei denen sich mir im Nachhinein die Fußnägel aufrollen. Just For Funk, eine andere Band aus dem Finale, hat dagegen einen ganz perfekten Auftritt hingelegt. Da hat alles gepasst. Mir kommt es so vor, als ob der Kontakt mit dem Publikum wichtiger ist. Die Musiker müssen auf das Publikum eingehen, Spannung aufkommen lassen. Und sie müssen der Musik einen besonderen Anstrich verleihen. Und das, obwohl sie in Anführungsstrichen nur Lieder nachspielen.

Liegt darin das Geheimnis einer guten Cover-Band?
Ich glaube schon. Das Publikum will die bekannten Stücke hören, will mitsingen. Aber es honoriert, wenn es von der Band auf der Bühne überrascht wird. Wenn sich der Wiedererkennungswert einer Melodie oder eines Rhythmus mit neuer Erfahrung paart. Das kann funktionieren, wenn man aus einem Rock einen Reggae macht. Oder wenn ein Medley mit den Riffs von Smoke On The Water beginnt und dann mit dem Text von Mama Mia weiter geht. Oder wenn besondere Instrumente zum Einsatz kommen. Somit wird auch beim Covern die Kreativität der Musiker gefördert, was dann auch wieder dem Songwriting zugute kommt.

Also sind Covermusiker auch Kreative?
Früher habe ich auch immer gedacht, dass Cover-Bands keine richtigen Musiker sind, aber heute sehe ich das ganz anders. Wenn ich heute Lieder schreibe, dann immer in zwei oder drei Versionen. Und das habe ich beim Covern gelernt. Abgesehen davon covert jeder Orchester-Musiker Beethoven zum tausendsten Mal. Und er findet sich dabei auch nicht doof oder fühlt sich als schlechter Musiker, weil er keine eigene Symphonie schreibt. Außerdem gibt es auch eine immer größer werdende Fangemeinde von Bands, die so authentisch wie möglich sein wollen und das auch schaffen.

Welche Bands fallen Dir da ein?
Musical Box zum Beispiel spielen die frühen Genesis-Shows nach und füllen damit die Jahrhunderthalle. Zum Eintrittspreis von 35 Euro. Und das finde ich auch toll. Denn als Genesis frisch auf dem Markt war, war ich vier Jahre alt. Und so bekomme ich die Chance, die frühen Shows zumindest in einer annähernd perfekten Kopie noch einmal zu sehen. Und sogar Mitglieder von Genesis gehen mit ihren Kindern da hin. Auch auf regionaler Ebene gibt’s da viele tolle Bands. Mayqueen zum Beispiel. Oder Achtung Baby. Als die ihre ersten Takte gespielt haben, dachte ich, dass da U2 auf der Bühne steht.

Welche Bands gehören denn in der aktuellen Runde von Hessen rockt zu Deinen Favoriten?
Ich habe meine Favoriten und kenne auch die meisten Bands, weil ich sie schon live gesehen habe. Aber ich werde mich hier bestimmt nicht aus dem Fenster legen und Namen nennen.

Wirst Du Dir die Konzerte bei Hessen rockt anschauen?
Jaaaaaaa… Auf jeden Fall. Ich freu mich schon richtig drauf und werde immer dabei sein, wenn ich es einrichten kann. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass bei uns alles gut gelaufen ist. Jetzt können wir einfach nur die Musik der anderen Bands genießen.

Was steht bei Euch in den kommenden Monaten an?
Nachdem wir ein ganzes Jahr eigentlich kaum geprobt haben und nur auf der Bühne standen, sind wir jetzt wieder öfter im Proberaum und widmen uns wieder mal einer konzeptionellen Show. Wir wollen unter dem Motto „We Know What We Like“ einen Genesis- und Peter Gabriel-Show einstudieren. Ich will mich außerdem auch wieder meinen anderen musikalischen Spielwiesen zuwenden, zum Beispiel dem Thalamus Project. Und die anderen Jungs kümmern sich auch wieder verstärkt um die Famile. Außerdem haben wir ja auch alle noch Jobs.

Wann kann man Euch in der nächsten Zeit live sehen?
Zum Beispiel am 9. März im Colossal in Aschaffenburg. Das ist für uns ein wichtiger Auftritt, weil da die Creme de la Creme der internationalen Musik-Szene spielt. Unser nächster superwichtiger Gig ist aber bereits am Sonntag, 14. Januar, beim Frühschoppen im Südbahnhof. Da haben wir vor Jahren mal mit einer Joe-Cocker-Show gespielt, aber sind da ganz lange nicht mehr reingekommen. Aber als Sieger von Hessen rockt gehen einige Türen wieder auf und wir freuen uns sehr, dass wir wieder da spielen können. Deshalb müssen alle unsere Fans kommen und uns unterstützen. Das wäre wirklich klasse.

Interview: Arne Löffel

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3 Kommentare zu “Interview mit Oliver Glassl von X-it”

  1. Peteam 02 Jan 2007 um 11:27 Uhr

    da sag ich nur: waaarum, schickst du mich in die Hööölle, HölleHölleHölleHölle….

  2. Geoam 02 Jan 2007 um 20:26 Uhr

    Der Olli hat mit ALLEM Recht!

    Aaaber: beim Hessentag gab’s neben dem vegetarischen Büffeee auch FLEISCH !!!

    Aber der Rest war wirklich so und wirklich oberklasse !!!
    Und für mich mit am schönsten im Zusammenhang mit “Hessen rockt”: die Begegnungen mit sooo vielen netten Menschen! Leute, die wir neu kennengelernt (gell, Martin!) oder wiedergetroffen (gell, Werner!) haben!

    Ich wiederhole mich gerne:

    “Music is the best!” F.Z.

    Grüßle

    Geo

  3. Stephan (Just For Funk)am 03 Jan 2007 um 14:34 Uhr

    DANKE OLLI & GEO !!!!

    Just For Funk, eine andere Band aus dem Finale, hat dagegen einen ganz perfekten Auftritt hingelegt. Da hat alles gepasst.”

    Das läuft uns echt runter wie Öl ;-)

    Grüßle
    Stephan von Just For Funk

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